Wenn nun die konjunkturellen Kennzahlen auf ein günstiges Marktumfeld hindeuten und Sie die
Branche, in die Sie investieren möchten, ausgewählt haben, stellt sich die Frage, in welches
Unternehmen Sie konkret investieren sollen.
Dabei ist das Ziel, den Wert eines Unternehmens herauszufinden und dadurch zu beurteilen ob
die Aktien des Unternehmens teuer oder billig sind. Dazu bedient man sich fundamentaler
Kennzahlen, die Sie entweder in der Bilanz des Unternehmens finden oder aber auch über Ihre
Bank erfahren können, die diese meist auf ihrer Internentpräsenz zur Verfügung stellt.
Wichtig ist, dass man bei diesen Kennzahlen v.a. Unternehmen aus derselben Branche
vergleichen kann. Sie sind nur bedingt zum Vergleich verschiedener Branchen geeignet!
Die Eigenkapitalquote gibt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital des Unternehmens an. Sie wird in Prozent angegeben.
Das Eigenkapital ist im Prinzip das Kapital, das die Aktionäre bei der Aktienausgabe
aufgewandt haben und eventuelle Gewinnrücklagen. Das Fremdkapital stellt die
aufgenommenen Kredite dar. D.h. je größer die Eigenkapitalquote, desto geringer ist die
Verschuldung des Unternehmens. Grundsätzlich ist eine hohe Eigenkapitalquote positiv zu
bewerten, da das Unternehmen dann mehr Spielraum bei der Kreditaufnahme hat und auch
weniger Schulden refinanzieren muss, was in einer Rezession wegen der auftretenden
Kreditklemme ein großer Vorteil sein kann.
Allerdings kann man die Eigenkapitalquoten in unterschiedlichen Branchen nicht miteinander
vergleichen. Dienstleister haben z.B. in der Regel eine höhere Eigenkapitalquote als
verarbeitende Unternehmen, die teure Produktionsstätten mit Krediten finanzieren müssen.
Die Eigenkapitalrendite gibt die Rentabilität des Eigenkapitals wieder, also um wie viel sich das Eigenkapital des Unternehmens pro Jahr mehrt. Es wird durch das Verhältnis von Unternehmensgewinn zu Eigenkapital bestimmt.
Allerdings ist eine hohe Eigenkapitalrendite auch durch eine niedrige Eigenkapitalquote möglich. Dabei steigt aber das Risiko des Unternehmens. Deshalb sollte man vor Beurteilung dieser Kennzahl die Eigenkapitalquote betrachten.
Die Umsatzrendite ist das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz.
Eine Umsatzrendite von 5% bedeutet, dass bei einem Umsatz von 100€ ein Gewinn von 5€ erzielt wird. Dieser Wert unterscheidet sich von Branche zu Branche sehr stark, da er vom Einnahmen und Ausgaben abhängig ist. Bei einem Unternehmen mit hohen Ausgaben relativ zu den Einnahmen ist er kleiner, bei einem mit höheren Einnahmen relativ zu den Ausgaben ist er größer. D.h. ein Unternehmen mit überdurchschnittlich hoher Umsatzrendite hat entweder niedrigere Produktionskosten oder erzielt höhere Verkaufspreise.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt das Verhältnis von Aktienkurs zum Unternehmensgewinn je Aktie wieder.
Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie auf der Bewertungsgrundlage des Gewinns. Ein KGV von 10 sagt z.B. aus das die Aktie zehnmal so teuer ist wie der Gewinn.
Das KGV wird häufig als erste Kennzahl herangezogen um zu beurteilen, ob eine Aktie billig
oder teuer ist. Als groben Anhaltspunkt kann man sagen, dass ein KGV von 10 bis 20 normal
ist. Dieser faire Wert variiert aber von Branche zu Branche. Deshalb vergleicht man am besten
verschiedene Unternehmen einer Branche und ermittelt so das durchschnittliche KGV der
Branche als Referenzwert. Z.B. haben Unternehmen der Technologie-Branchen höhere KGVs,
Unternehmen aus der Versorger-Branche eher niedrigere. Dies hängt auch mit
Wachstumserwartungen an die Unternehmen ab: bei Technologiewerten erhofft man sich für die
Zukunft höhere Gewinnwachstumsraten als für defensive Titel wie Versorger. Deshalb akzeptiert
man zur aktuellen Zeit einen teureren Kaufpreis.
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