Neben den vorher genannten Möglichkeiten der Chartanalyse haben sich in der technischen
Analyse weitere Instrumente zur Kursinterpretation entwickelt, denen mathematische
Berechnungen zugrunde liegen, die technischen Indikatoren.
Allen gemeinsam ist, dass je nach Indikator bestimmte Kurseigenschaften in einer bestimmten
Formel verrechnet werden und das Ergebnis wiederum als Chart dargestellt wird. So erhält
jeder Wert des Kurses einen entsprechenden Wert des Indikators zugeordnet. Aus dem Verlauf
des Indikators lassen sich bestimmte Informationen ablesen, die es möglich machen sollen den
Kurs objektiver zu bewerten. Da dies alles sehr abstrakt klingt, wollen wir mit der konkreten
Beschreibung einiger Indikatoren weitermachen.
Grundsätzlich werden die Indikatoren in trendfolgende Indikatoren und oszillierende Indikatoren eingeteilt.
Trendfolgende Indikatoren zeigen die Stärke sowie die Richtung eines aktuellen Trends an. Deshalb sollte bei ihrer Anwendung auch ein Trend vorliegen, damit der Indikator richtig angewandt werden kann, also ein Auf- oder Abwärtstrend.
Zu den trendfolgenden Indikatoren zählen die gleitenden Durchschnitte und der MACD.
Gleitende Durchschnitte werden bei der Chartanalyse eingesetzt, um die börsentäglichen Schwankungen im Chart zu glätten und somit die grundsätzliche Tendenz der Kursbewegung hervorzuheben. Steigt der gleitende Durchschnitt, so bedeutet dies einen Aufwärtstrend, fällt er, einen Abwärtstrend.
Um den Wert des gleitenden Durchschnitts zu errechnen, addiert man die Kurse des
betrachteten Zeitraums und teilt sie durch die Anzahl der addierten Kurse. Man berechnet also
das arithmetische Mittel. Für den nächsten Tag geschieht das gleiche, was bedeutet, dass
effektiv der älteste Kurs weggelassen und der börsentägliche Kurs stattdessen hinzuaddiert
wird. Aus den so errechneten Werten erhält man wieder eine Kurve, die im Chartfenster
angezeigt wird.
In der Chartanalyse werden die gleitenden Durchschnitte über 30, 90 und 200 Tage am
häufigsten verwendet. Der GD 200 wird zur Analyse langfristiger Trends, der GD 90 für mittelfristige und der GD 30 für kurzfristige Trends angewandt.
Folgendes Beispiel zeigt die gleitenden Durchschnitte über 30 und 200 Tage im Jahreschart des DAX von 2009/10:
Schnittpunkte der gleitenden Durchschnitte miteinander werden als Trendwenden interpretiert. Schnittpunkte des kürzerfristigen GDs mit dem längerfristigen GD nach oben (Golden Cross) stellen ein Kaufsignal dar, nach unten (Death Cross) wiederum ein Verkaufsignal. So hat im obigen Beispiel in der linken Bildhälfte der GD 30 ein Kaufsignal generiert.
Doch Vorsicht: man sollte diese Signale nicht als absolut betrachten, sondern nur als Hilfsmittel miteinbeziehen. Oft genug entsteht ein Schnittpunkt und der erwartete Trendwechsel setzt nicht ein! Außerdem treten die Signale mit Verzögerung ein, so dass sie am besten zur objektiven Bestätigung der eigenen Vermutung geeignet sind.
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